Der Ton macht die Stadt

Dein Wohl tut mir gut

Ein Appell an die Freundlichkeit

Nachdem wir uns in unseren letzten Kampagnen mit den Themen Selbstmitgefühl und dem positiven Umgang mit sich selbst beschäftigt haben, soll unsere diesjährige Kampagne „Der Ton macht die Stadt“ an einen freundlichen Umgang miteinander anknüpfen und deutlich machen, wie wertvoll unser täglicher Umgang miteinander ist – und wie viel wir selbst durch kleine, positive Impulse zu einem guten Zusammensein beitragen können. Daran anknüpfend finden auch die Aktionswochen Seelische Gesundheit in diesem Jahr unter dem Motto: „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ statt. Hier gehts zur Webseite!

Kampagne „Der Ton macht die Stadt“
Gemeinsam mit der Gesundheitsplanung der Stadt Flensburg haben wir eine Kampagne ins Leben gerufen, die ein Zeichen für einen achtsamen, respektvollen und freundlichen Umgang in Flensbrg setzen soll. 
Denn auch und vielleicht gerade weil sich die Welt um uns herum manchmal schwer, hektisch und überwältigend anfühlen kann, ist es umso wichtiger, einander mit Sanftheit, Wärme und Respekt zu begegnen.
Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf können wir uns gemeinsam daran erinnern, dass kleine Gesten im Alltag viel bewirken können. 

In diesem Sinne: Lasst uns zusammen den Ton für ein gutes Miteinander in Flensburg setzen!
 

Was uns zur Themenwahl bewegt hat

Ständig befinden wir uns im direkten oder indirekten Austausch mit unserer Umwelt und den Menschen, die entweder durch persönliche oder berufliche Verbindungen – oder rein zufällig, unser Leben kreuzen. Wir kommunizieren mit Freund*innen, Familienmitglieder*innen und Partner*innen. Mit Kolleg*innen von der Arbeit, mit Kassierer*innen und Verkäufer*innen. Mit Mitschüler*innen, mit Teamkolleg*innen im Sportverein oder Menschen, mit denen wir ein Hobby teilen. 
Gleichzeitig leben wir in einer Zeit, in der viele Menschen beruflich, finanziell und emotional unter Druck stehen. Eine herausfordernde globale Weltlage auf der einen Seite, die ganz eigenen Lebensumstände auf der anderen Seite. Unser Alltag fordert uns oft stark – und diese Anspannung spiegelt sich im täglichen Miteinander wieder: Im Tonfall, in kurzen Begegnungen, in unserer Sprache und in Gesten. Kleine Freundlichkeiten im Alltag bleiben schnell mal auf der Strecke und der Umgang miteinander wird spürbar rauer. Und so gerät auch die Qualität unserer Begegnungen unter Druck.

Was wir hierbei oft vergessen: Freundlichkeit ist weit mehr als eine veraltete Tugend. 

Wie wir miteinander umgehen, hat Wirkung. Worte, Blicke und Reaktionen prägen nicht nur den Moment, sondern beeinflussen sowohl unser eigenes als auch das psychische Wohlbefinden unseres Gegenübers. Mit der Kampagne „Der Ton macht die Stadt“ möchten wir ein sichtbares Zeichen für einen achtsamen, respektvollen Umgang setzen – als alltagsnahen Beitrag zur psychischen Gesundheit aller Flensburger*innen. Wir möchten dazu motivieren, unser Bewusstsein für die Gelegenheiten zu öffnen, in denen Freundlichkeit und kleine Gesten ohne großen Aufwand möglich sind. Dabei geht es nicht darum, zusätzlichen Erwartungsdruck zu schüren und Menschen, die ohnehin schon gefordert sind, noch mehr abzuverlangen. Vielmehr möchten wir die Aufmerksamkeit dafür schärfen, die kleinen Möglichkeiten im Alltag wahrzunehmen, in denen Freundlichkeit und Wertschätzung ohne großen Aufwand und ohne zusätzliche Kraftanstrengung möglich sind.

In diesem Sinne: Die Welt ist oft schon laut und rau genug – umso mehr kommt es auf unseren eigenen Ton an. Wir laden dich und Sie herzlich ein, ihn bewusst freundlich und achtsam zu gestalten.

Wissenschaftlicher und psychologischer Hintergrund

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Freundlichkeit einen positiven Einfluss auf unser eigenes Wohlbefinden haben kann. Gleichzeitig stärken wir so auch das Wohlbefinden der Menschen, denen wir begegnen. Ein freundlicher Umgang miteinander tut also sowohl anderen gut, als auch uns selbst.

Zwei Fachartikel aus den USA,(herausgegeben in der Zeitschrift ”Emotion”, der American Pschological Association (APA)) haben sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und genau das herausgefunden.: Menschen, die zu mehr Freundlichkeit im Alltag angeregt werden, nehmen eine Steigerung im eigenen Wohlbefinden wahr. 
In einer Studie sollten die Teilnehmenden über einen gewissen Zeitraum wöchentlich sowohl freundliche Handlungen durchführen als auch gestärkt gezielte soziale Interaktionen eingehen. Im Durchschnitt berichteten alle Teilnehmenden von einer Verbesserung ihres Wohlbefindens durch einen Anstieg an positiven Emotionen und erhöhter Lebenszufriedenheit sowie von einer Abnahme negativer Emotionen. Hinzu kam, dass die Teilnehmenden das Gefühl von allgemeiner sozialer Verbundenheit steigern konnten. (Fritz et al., 2023). 
In einer weiteren Studie wurden Teilnehmer*innen dazu aufgefordert, über einen bestimmten Zeitraum hinweg ganz gezielt prosoziales Verhalten auszuüben. Prosoziales Verhalten bezeichnet ein  Verhalten, das darauf abziehlt, anderen freundlich zu begegnen und/oder zu helfen. Die Teilnehmenden führten drei freundliche Handlungen durch. Anschließend wurde ihr Wohlbefinden mit dem einer Kontrollgruppe verglichen, die keine entsprechende Vorgabe erhalten hatte. Die Teilnehmer*innen der Studie wiesen messbare Verringerungen von Depressionen, Angst und Einsamkeit zwischen dem Zeitpunkt vor und nach der Intervention auf. Hieraus ist natürlich nicht abzuleiten, dass Freundlichkeit eine Alternative zu medikamentöser oder therapeutischer Unterstützung darstellt. Gerade in herausfordernden Lebenssituationen oder bei psychischen Belastungen ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und nicht durch den Hinweis auf die Wirkung von Freundlichkeit zu bagatellisieren. Vielmehr zeigt die Studie, dass bereits kleine, freundliche und prosoziale Handlungen im Alltag eine bemerkenswerte Wirkung haben können. (Naclerio et al., 2026) 

Studien zu finden unter:

Fritz, M. M., Margolis, S., Radošić, N., Revord, J. C., Rosen Kellerman, G., Nieminen, L. R. G., Reece, A., & Lyubomirsky, S. (2023). Examining the social in the prosocial: Episode-level features of social interactions and kind acts predict social connection and well-being. Emotion, 23(8), 2270–2285. https://doi.org/10.1037/emo0001232

Naclerio, M., Lazar, L., Hornstein, E. A., & Eisenberger, N. I. (2026). Exploring the effects of prosocial and self-kindness interventions on mental health outcomes. Emotion, 26(1), 14–24. https://doi.org/10.1037/emo0001577