Zum wiederholten Mal haben junge Erwachsene mit psychischen Herausforderungen bei den Flensburger Kurzfilmtagen über die Vergabe des Blickwechselpreises mitentschieden.
Der Name „Blickwechselpreis“ wurde von einer Teilnehmerin eines Gruppenangebots der Brücke Flensburg vorgeschlagen und stieß sowohl bei den anderen Teilnehmenden, die gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Präventionsprojekts Fenja und Nike die Filme sichteten, als auch bei der Leitung von filmkorte, Vivien Buchhorn, sofort auf Anklang.
Er stellt Menschen in herausfordernden Lebenslagen oder mit psychischer Erkrankung nicht als “anders” oder “abweichend” dar, sondern lädt ganz im Gegenteil dazu ein, den Blick zu wechseln und mal anders hinzuschauen. Damit bringt er auf den Punkt, worum es in den Kurzfilmtagen in diesem Jahr ging: hinsehen, verstehen und gemeinsam wahrnehmen.
Gemeinsam mit den Gruppenteilnehmenden haben wir 13 Kurzfilme gesichtet und uns anschließend darüber ausgetauscht. Wir haben diskutiert, gelacht, waren bewegt und haben uns schlussendlich, nach gar nicht so leichter Entscheidungsphase, für zwei Filme entschieden, die eine lobende Erwähnung sowie den Blickwechselpreis für den 1. Platz verdient haben.
Lobende Erwähnung: „Schwanensee“ – Stella Trau
Lobend erwähnt haben wir den Kurzfilm “Schwanensee”. Der Film macht auf individueller Ebene erfahrbar, wie umfassend eine Long-Covid-Erkrankung das Leben und die psychische Gesundheit der betroffenen Person beeinflusst. Er zeigt, wie Dinge, die vorher als klein oder selbstverständlich geglaubt waren, plötzlich nicht mehr oder nur schwer zu bewältigen sind - und dass es keinen universellen Maßstab dafür gibt, wie groß oder klein Dinge für uns erscheinen - sondern dass dies immer von der eigenen Lebenslage abhängig ist. Er zeigt, dass die Bedeutung von vielem, was wir für selbstverständlich halten, sich erst in seiner Abwesenheit offenbart und lädt uns dadurch ein, unser Bewusstsein für all das um uns herum zu öffnen, was gesehen werden will, und doch so häufig übersehen wird. Die Analogie zu Schwanensee, die Gestaltung als Filmcollage sowie die Ruhe und gleichzeitig die Lebendigkeit, die hierdurch entstand, haben uns sehr bewegt. Zugleich rückt er für uns auch die gesellschaftliche Dimension des Themas in den Blick. Er zeigt, dass es in der Long-Covid-Forschung noch große Unsicherheiten und wenig belastbare Daten gibt - und dass die bedarfsgerechte körperliche und psychische Versorgung und Unterstützung vieler Betroffener dadurch nicht ausreichend gewährleistet ist. Ein herzliches Dankeschön an Stella Traub!
1. Platz: „Challenges of a Solitary Mind“ – Astrid Rothaug
Der 1. Platz und somit der Gewinner des Blickwechselpreises ist der Film “Challenges of a solitary mind” Dieser Film spricht ein Thema an, das insbesondere für junge Menschen eine so zentrale Rolle spielt und deshalb auch in der Gruppe viel Resonanz gefunden hat. Er zeigt auf warme und berührende Weise die Situation einer Person, die sich von sozialen Situationen und Anforderungen überwältigt fühlt. Vom Unwohlsein und dem Gefühl des Fremdseins einer Schnecke außer Haus, bis hin zur Erleichterung und Ruhe des ‚Nachhausekommens‘ in einem sicheren und geschützten Rahmen, der viel eher ihrem Wesen entspricht. Wo sie durchatmen und aufblühen kann. Der Film illustriert, wie wichtig es ist, für sich selbst zu sorgen, wie anstrengend es sein kann, sich nicht zu verbiegen, und wie schwer das in einer Welt ist, die immer so viel von uns will. Gleichzeitig zeigt er auch, was entstehen kann, wenn wir uns erlauben, bei uns selbst zu bleiben. Der Schreckensmoment durch das Schrille, Laute Telefonklingeln, das fast wie eine Alarmglocke die Gefahr durch soziale Erwartungen signalisiert, die Schneckenmetapher und die gleichzeitig so simpel gehaltenen und so eindrucksvollen Illustrationen gingen uns allen sehr unter die Haut. Für diese besondere Umsetzung hat der Film den 1. Platz verdient
Ein großes Dankeschön und Lob an Astrid Rothaug!
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